In conversation with Rike Scheffler and Jochen Roller

Translated from German by Chester Underhill.

 

Daniela Seel: When you look around, you can see something’s already getting underway here…

Jochen Roller: You think so?

DS: Yeah, I think so, compared to the last time I was here…

JR: Great. That was the idea.

DS: Tell us what’s going on here.

JR: We’ve been here since Thursday. For both of us, our main objective was to really transform the space. When we came in, it was constructed to be a classic setting for readings. Do you know how we came up with the room-within-a-room?

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Im Gespräch mit Rike Scheffler und Jochen Roller

7 Tage, 2 Künstler*innen, 1 Ort: Im Rahmen des Projekts CON_TEXT erarbeiten jeweils zwei Künstler*innen innerhalb einer Woche in der Lettrétage gemeinsam eine Veranstaltung

Die Lyrikerin und Verlegerin Daniela Seel besuchte die CON_TEXT-Künstler*in Rike Scheffler und Jochen Roller in der Lettrétage.

 

Daniela Seel: Hier ist ja schon einiges losgegangen, wenn man sich so umschaut ..

Jochen Roller: Findste?

DS: Ja, find ich, gegenüber dem letzten Mal, als ich hier war ..

JR: Super. Das war die Idee.

DS: Erzählt doch mal, was hier so passiert.

JR: Seit Donnerstag sind wir hier, und unser beider Hauptanliegen war, den Raum wirklich zu verändern. Als wir reinkamen, war so ein klassisches Lesungssetting aufgebaut. Weißt du noch, wie wir auf den Raum im Raum gekommen sind?

Rike Scheffler: Ja. Es gab ja als eine Art von Anfang ein Speeddating, bei dem die Pärchen entstehen sollten, und dabei haben Jochen und ich geskypt, und ich glaube, du hattest gesprochen von dem „Honey, I’m home“-Video von mir mit den Loop-Poems ‒

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Der Abfall wird zur Hauptsache

Vor der sechsten CON_TEXT Veranstaltung traf sich Florian Neuner mit dem Künstlerduo Cristian Forte und Harald Muenz, um dem Müll auf den Grund zu kommen.

 

Florian Neuner: Wie kommt es, Harald, dass du im Rahmen dieser Reihe schon mit dem zweiten Partner agierst? Konntest du dich nicht entscheiden?

Harald Muenz: Nein, gar nicht. Ich kam dazu wie die Jungfrau zum Kind. Das Auswahlverfahren war ja so, dass wir nach dem Speeddating einen Dreiervorschlag abgeben sollten, und auf meinem Dreiervorschlag standen sowohl Cristian als auch Mathias Traxler. Irgendwann hieß es dann: Du kriegst beide! Ich habe nicht nachgefragt, warum, aber ich habe mich natürlich sehr gefreut.

Cristian Forte: Ich arbeite normalerweise mit Sound, deshalb habe ich mich für Harald als Partner entschieden.

FN: Bei eurer Performance fällt auf, dass Sprache sehr weit in den Hintergrund tritt. Es vergehen 40 Minuten, ehe gesprochene Sprache zum ersten Mal zu hören ist und nicht nur etwa auf Papierschnipseln am Boden liegt. Ich meine die Stelle, an der in einem eingespielten O-Ton der Müllmann zu hören ist. Daneben gibt es Skripturales, Schriftzeichen, die aber nicht ohne weiteres zu entziffern sind. Verständliche Sprache schält sich erst relativ spät heraus aus dem klanglichen Kontinuum. Warum diese Zurückhaltung?

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Müll oder Kunst?

Von Sieglinde Geisel

 

Spätestens seit dem genialen Putzfrauen-Spruch haben wir ein Bewusstsein für die Nähe von Müll und Kunst. „Ist das Kunst, oder kann das weg?“ könnte als Leitmotiv über der Müll-Performance des argentinischen Dichters Cristian Forte und des deutschen Komponisten Harald Muenz stehen. Die Darbietung hat den Untertitel „Ein asemischer Eingriff“. Das Wort Asemie bedeutet die Unfähigkeit, sich über Zeichen verständlich zu machen. Wir sind gewarnt: Mit Verstehen kommen wir hier nicht weit.

Was wir in der nächsten Stunde erleben, liegt demnach jenseits der Sprache: Die Zeichen nach ihrem Sinn zu befragen, widerspräche der Intention der Künstler. In der Tat spielen Worte hier eine Nebenrolle. Das Entscheidende ist zu sehen und, mehr noch, zu hören. Harald Muenz, der meist am Mischpult sitzt und konzentriert an seinen Reglern arbeitet, erkundet Töne zwischen Klang und Geräusch. Wie weit er dabei geht, merkt man erst allmählich. Das Publikum ist aufgefordert, sich im Raum zu bewegen, doch anfangs stehen wir im vorderen Raum – bis auf einmal hinten etwas kollert. Man denkt, dort sei die Action, doch als wir alle nach hinten eilen, um nichts zu verpassen, ist dort niemand, nur ein Baldachin mit einer Plastikplane. Geräusche ohne sichtbare Quelle sind etwas Unheimliches, und auf einmal wird einem bewusst, dass die Trennung des Klangs von seiner Quelle ein fundamentaler Eingriff in die Natur der Dinge ist. Nicht nur die Erde hat der Mensch sich untertan gemacht, sondern auch die Klänge, ganz nebenbei ist dieser Abend eine Manifestation dieser Herrschaft.

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When trash becomes the main attraction

Prior to the sixth CON_TEXT event, Florian Neuner met with the artistic duo of Cristian Forte and Harald Muenz, to get to the bottom of the trash. Translated from the German by Thomas Nießer.

 

Florian Neuner: How did it come to be, Harald, that you ended up working with a second partner? Could you not decide?

Harald Muenz: No not at all. I came to it by sheer chance. The selection process was such that after the speed-dating we had to come up with a shortlist of three candidates and on my shortlist happened to be Cristian as well as Mathias Traxler. At some stage I got the news; You’re getting both! I didn’t question it but I was naturally very happy.

Cristian Forte: I normally work with sound, which is why I chose Harald as a partner.

FN: It is noticeable in the performance, that speech is pushed right to the background. 40 minutes pass by before the first spoken word is heard and not just something which is written on a scrap of paper on the floor. I’m referencing the point where you can hear the original voice of the rubbish collector. Besides this is some writing, letters, which cannot be deciphered easily. Comprehensible speech emerges only relatively late in the continuum of noise. Why this restraint?

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Trash or Art?

Impressions by Sieglinde Geisel, translated from German by Thomas Nießer.

Ever since the ingenious story of the cleaning lady there has been a growing awareness of the fine line between trash and art. “Is this art or can I throw it away?” could serve as the guiding principle for the trash-performance by the Argentinian poet Cristian Forte and the German composer Harald Muenz. The production is subtitled “An asemic procedure”. The word “asemic” means the inability to communicate with the help of symbols. So we are warned: We won’t get very far if we try to understand.

What we experience during the next hour goes beyond the language: To ask the symbols for the meaning would be contrary to the intention of the artist. In fact, words are of inferior significance here. What is important can be seen and, more importantly, heard. The words here generally play a supporting role. The high points are to be seen and, more importantly, to be heard. Harald Muenz, sitting mainly at his mixing desk and working fully focussed on his control levers, explores the space between sound and noise. Only gradually do you realise how far he goes with this. The audience is invited to move around the room, whereby initially we stand in the front part – until suddenly something rumbles at the rear. One thinks that there is the action, but when we all rush back not to miss anything, nobody is there, just a canopy with a plastic sheet. Sounds without visual sources are somewhat uncanny and one suddenly becomes aware that the separation of sounds from their source is a fundamental interference with the nature of things. Not only has man subjugated the earth but also its sounds and in passing is this evening a manifestation of that dominion.
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Im Gespräch: Maria A. Ioannou und Momo Sanno

Übersetzung aus dem Englischen: Lena Hintze

Während der Erarbeitungsphase der Performance “Concrete Skin” im Rahmen der CON_TEXT-Reihe am 12. Mai 2017 in der Lettrétage interviewte Erica Zíngano die Künstler Momo Sanno und Maria A. Ioannou.

 

Érica Zingano: Als ich versuchte, ein paar Fragen für dieses Interview aufzuschreiben, habe ich darüber nachgedacht, welche Art von Fragen ich stellen sollte und dabei habe ich speziell an dich gedacht, Maria, weil du nicht in Berlin lebst. Für dich müsste diese eine Woche hier also eine völlig neue Erfahrung sein, eine Art von Versetzung, oder? Du hingegen, Momo, lebst schon eine Weile hier, und bist sicher schon eher an das Leben in Berlin gewöhnt, aber du lebst auch in Rumänien…

Momo Sanno: Ich lebe überall auf der Welt! Eigentlich gibt es keinen konkreten Ort, an dem ich lebe… Ich zahle meine Steuern in Berlin und auch in Bukarest, aber ich ziehe mehr oder weniger umher. Ich pendele ständig zwischen Berlin und Bukarest, weil ich vor zwei, drei Jahren nach Bukarest zurückgezogen bin und mir dort auch eine Basis schaffen will. Dass mich Berlin für sich eingenommen hat, ist schon eine sehr lange Zeit her…

ÉZ: Und du, Maria, genießt du die Woche in Berlin? Wie geht es dir mit der Entwicklung dieses neuen Projekts hier?

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The ghosts, which we called…

Impressions by Sieglinde Geisel, translated from German by Thomas Nießer.

How can a text become three-dimensional? By transforming letters into objects. The 3-D-printer makes it possible. It is the clandestine main character of the evening. With its artefact, the letter X, he is the soloist, after all the while it has pottered away busily in the background, as the performance is timed in a way so that it ends synchronously with the printing process: a small lamp shines a light on the 3-D printer after the task is accomplished, like a spotlight.

It is the idea behind the event series Con_Text to transfer speech into a different dimension, to show texts in different contexts. The poet Daniel Malpica, originally coming from Mexico but living in Finland, and the Japanese sound-poet Tomomi Adachi succeeded on that evening to expand the field in unexpected ways. It is rare that one lives through a performance, during which things happen, which one has never heard or seen – including the irritation, which goes with the new. For, naturally, there is no model for the new and with that no benchmark, against which one can measure it. One remains thrown back to one’s own experience, an unsettling state – and a liberation.
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