Die Geister, die wir riefen…

Von Sieglinde Geisel

Wie kann ein Text dreidimensional werden? Indem man seine Buchstaben in Gegenstände verwandelt. Der 3-D-Drucker macht’s möglich: Er ist die heimliche Hauptfigur dieses Abends. Mit seinem Artefakt, dem Buchstaben X, ist er der Solist, nachdem er die ganze Zeit sozusagen im Hintergrund emsig gewerkelt hat, denn die Performance ist so getimt, dass sie zugleich mit dem Druckvorgang endet: Eine kleine Lampe strahlt den 3-D-Drucker nach vollbrachter Aufgabe wie ein Spotlight an.

Die Idee der Veranstaltungsreihe CON_TEXT besteht darin, Sprache in andere Dimensionen zu übertragen, Texte in anderen Kontexten zu zeigen. Dem aus Mexiko stammenden, in Finnland lebenden Dichter Daniel Malpica und dem japanischen Klangpoeten und Komponisten Tomomi Adachi ist es an dem Abend gelungen, dieses Feld auf unerwartete Weise zu erweitern. Selten erlebt man eine Performance, in der Dinge geschehen, die man noch nie gehört oder gesehen hat – samt der Irritation, die das Neue begleitet. Denn für das Neue gibt es, naturgemäß, noch kein Modell und damit auch keine Maßstäbe, an denen man es messen kann. Man bleibt zurückgeworfen auf das eigene Erleben, ein verunsichernder Zustand – und eine Befreiung.
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Three-dimensional Literature: In discussion with Daniel Malpica and Tomomi Adachi

Interviewer: Florian Neuner. Translated from German by Thomas Nießer.

As I came into the Lettrétage on Whitsunday, a 3D printer is already working. The sound of the machine is being recorded with a microphone and amplified. It cheeps and hisses like the sound of a command centre in a 1960s spaceship. By the end of the conversation, the product will be finished printing: A yellow something of a few centimeters in height, which at first sight you could take for a futuristic, biomorphic architectural model. At second sight the structure of a concealed X is recognizable.

Florian Neuner: Did you meet each other for the first time here at the Lettrétage speed-dating or did you already know each other?

Tomomi Adachi: Daniel didn’t take part in the speed-dating. We first spoke with each other through Skype. (Editor’s note: Like all foreign artists, Daniel Malpica took part in speed-dating through Skype)

FN: What was the starting point of you working together? What common interests did you discover?

As an answer, Tomomi Adachi puts great big plastic X on the table.

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Dreidimensionale Literatur: Im Gespräch mit Daniel Malpica und Tomomi Adachi

Interview: Florian Neuner

Als ich am Pfingstsonntag in die Lettrétage komme, arbeitet dort ein 3D-Drucker. Die Geräusche des Geräts werden mit einem Mikrophon abgenommen und verstärkt. Es fiept und faucht wie in der Kommandozentrale eines Raumschiffs aus den sechziger Jahren. Am Ende des Gesprächs wird das Produkt fertig gedruckt sein: ein wenige Centimeter hohes, gelbes Etwas, das man auf den ersten Blick für ein futuristisches biomorphes Architekturmodell halten könnte. Auf den zweiten Blick ist ein der Struktur verborgenes X erkennbar.

Florian Neuner: Seid ihr euch bei dieser Speeddating-Aktion in der Lettrétage das erste Mal begegnet oder kanntet ihr euch schon vorher?

Tomomi Adachi: Daniel hat an dem Speeddating nicht teilgenommen. Wir haben über Skype das erste Mal miteinander gesprochen. (Anmerkung der Redaktion: Daniel Malpica nahm – wie alle auswärtigen Künstler*innen – via skype am speed dating teil.)

FN: Was war der Ausgangspunkt eurer Zusammenarbeit? Welches gemeinsame Interesse habt ihr entdeckt?

Als Antwort legt Tomomi Adachi ein großes X aus Plastik auf den Tisch.

Daniel Malpica: Das ist meine Obsession mit dem X!

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Vom Wunsch, ein Objekt sein zu dürfen

Am 12. Mai fand die vierte CON_TEXT Veranstaltung statt, von der Schriftstellerin Maria A. Ioannou und dem Tänzer und Choreographen Momo Sanno gestaltet. Sieglinde Geisel hat darüber geschrieben.

Die Erzählung von Maria A. Ioannou handelt von einem Menschen, der lieber ein Gegenstand wäre, ein Objekt. Als er geboren wird, scheint er nicht zu atmen, und als Erwachsener wird er mehr und mehr zu einem Gegenstand, schließlich kann er nur noch seinen Kopf bewegen. Für einen Tänzer eine Herausforderung: Wie tanzt man einen, der nicht mehr tanzen will?

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On the desire for permission to be an object

Devised by the writer Maria A Ioannou and the dancer and choreographer Momo Sanno, the fourth CON TEXT event took place on 12th May. Sieglinde Geisel was there to report. Translated from German by Thomas Nießer.

The tale by Maria A Ioannou deals with a human, who would rather be a item, an object. When he is born he does not seem to breath, and as an adult he turns more and more into an object, in the end he can move his head only. A challenge for a dancer: how do you dance someone, who does not want to dance any more?

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An unusual event. Kinga Tóth and Dorothée Billard

Impressions by Ricoh Gerbl, translated from German by Elizabeth Toole

It is a Tuesday evening, just before 8pm. I am walking along the Mehringdamm. On my way to the Lettrétage. Author Kinga Tóth and illustrator Doro Billard are going to present the results of their collaboration. They had a week to get to grips with each other’s different forms of expression, or simply put to find a way to come together. This event, where literature encounters other art forms, is part of a series called CON_TEXT. Authors meet artists from a variety of fields and have to create something together. This evening the third outcome of such a ’collision’ will be presented to the public. I turn into the backyard. A few people are standing in front of the entrance, smoking.

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Eine ungewöhnliche Veranstaltung. Kinga Tóth und Dorothée Billard

Von Ricoh Gerbl

Es ist Dienstag Abend. Kurz vor zwanzig Uhr. Ich laufe den Mehringdamm entlang. Bin auf dem Weg in die Lettrétage. Eine Autorin, Kinga Tóth, und eine Zeichnerin, Doro Billard, präsentieren das Ergebnis ihrer Zusammenarbeit. Sie hatten eine Woche lang Zeit sich mit ihren unterschiedlichen Ausdrucksformen anzunähern. Vereinfacht gesagt: irgendwie zusammen zu kommen. Dass Literatur auf andere Kunstrichtungen trifft ist Teil der Veranstaltungsreihe CON_TEXT. Autoren und Autorinnen treffen auf Künstler und Künstlerinnen aus verschiedenen Sparten und sollen gemeinsam etwas erarbeiten. Heute Abend wird dem Publikum der dritte Ausgang von so einer „Karambolage“ präsentiert. Ich biege in den Hinterhof ein. Ein paar Leute stehen vor dem Eingang. Rauchen. „Eine ungewöhnliche Veranstaltung. Kinga Tóth und Dorothée Billard“ weiterlesen